Rhythm Paradise Groove (Nintendo Switch) Review – Das hab ich so noch nicht erlebt
Rhythm Paradise Groove ist merkwürdig, schräg, witzig und für mich absolut spielenswert. Warum das so ist, versuche ich euch in meinem Test zu erklären.
Platz für die Nische
Das Erscheinen von Rhythm Paradise Groove für die Nintendo Switch markiert für Fans das Ende einer fast elfjährigen Durststrecke. Seit dem Release von Rhythm Heaven Megamix im Jahr 2015 verweilte eine der eigenwilligsten Marken im Portfolio von Nintendo in einem tiefen Dornröschenschlaf, was die weltweite Fan-Gemeinde vor eine harte Geduldsprobe stellte. In einer Ära, in der sich die Spieleindustrie zunehmend risikoavers verhält und kreative Experimente oft standardisierten Open-World-Formeln weichen müssen, wirkt die Veröffentlichung dieses Titels wie ein anachronistisches Wunder. Es ist schön, das Nintendo nicht nur Platz für die großen, geschliffenen Spiele hat, sondern auch für die zweite, schräge Reihe bestehend aus Titeln wie Wario Ware, Tomodachi Life oder eben Rhythm Paradise Groove existieren darf. Allerdings sind diese Spiele auch nicht für die gesamte Spielerschaft gemacht und haben eine gewisse Sperrigkeit. Wenn der Trailer oder auch die spielbare Demo nicht euren Geschmack treffen, dann werdet ihr mit Rhythm Paradise Groove auch keinen Spaß haben. Wer wie ich diese aufgesetzte Albernheit lustig und unterhaltsam findet und die gehörte Musik cool findet, wird hingegen ein kurzweiliges und denkbares Rythmusspiel bekommen.
Eigentlich simples Knöpfchendrücken
Insgesamt umfasst das Game 80 Rhythmusspiele, die auch jeweils eine eigene Melodie, bzw. einen eigenen Song haben. Es gibt J-Pop Tracks der Band Fruits Zipper, elektronische Klänge, Rock und Metal und sogar retroartige Stile. Die Genres sind hier wirklich bunt durchgemischt, genau so wie die Thematiken der Minispiele selbst. Alle Spiele folgen immer der gleichen Logik: Ihr müsst passend zu einem Song im richtigen Moment einen oder unterschiedliche Knöpfe drücken. Das funktioniert aber nicht wie in Guitar Hero, wo Noten auf euch zufliegen – Rhythm Paradise Groove hat hier seinen ganz eigenen Weg gefunden. Ihr müsst z.B. kleine Schirmwesen auf und zu machen und da ihr der vierte und letzte Schirm in der Reihe seid, geben euch die drei vorherigen Schirmchen den Beat mit dem Auf- Und Abspannen des Schirms vor. Das Spiel lügt nicht, wenn es sagt, dass ihr es im Prinzip mit geschlossenen Augen spielen könnt. Teilweise will es das sogar, in dem es euch mit Absicht nervige Dinge vor die Kamera hält, wodurch das Visuelle in den Hintergrund rückt und ihr euch rein auf das Gehör verlassen müsst.
Der niesende Mond
Es gibt Levels, in denen ihr mit einem Hund eigenständig bis sieben zählen müsst, um dann ein Frisbee aus der Luft zu schnappen, Frösche mit einer Seerose durch die Luft katapultiert, Essen im Takt auffangt und es klein schneidet, mit einem Auto zur Melodie Gas gebt oder bremst oder kleine Kugeln mit einer überdimensionierten Hand zerquetscht. Das ist wie schon gesagt alles so abgedreht und absurd, dass mich das oft an die Minispiel von Wario Ware erinnerte. Eines der absurdesten Minispiele ist ein Rythmustest, wo ihr vor einem, niesenden anthropomorphen Mond entkommen müsst. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass der Mond in etwa „Ha… Ha… Ha… Hatschi“ macht und ihr im Moment des „Hatschis“ den A-Knopf betätigen müsst. Alleine das ich diese Zeilen schreibe, ist schon absurd genug. Allerdings entsteht bei diesem bizarren Duell mit Heuschnupfen ein psycholigisches und stressiges Minispiel, weil der blöde Mond zwei unterschiedliche Niesmuster hat. Eins, wie beschrieben auf den vierten Takt und zusätzlich ein Niesanfall, der ähnlich startet, aber eine halbe Note nach dem dritten Takt endet und mit einem befreiten Niesen sofort erklingt.
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Ich habe wirklich schon viele Spiele in meinem Leben gespielt und auch weit komplexere. Aber das hat mich gebrochen, wieder ausgespuckt und als ich es endlich auf die Reihe gebracht habe, hatte ich den niesenden Mond der zu Metalklängen seinen Rotz verteilt, zwei Tage als Ohrwurm unvertreibbar in meinem Gehirn. Es gibt natürlich auch weniger kreative Minispiele, aber es gibt einige, weitere Highlights, die ich euch nicht vorwegnehmen möchte.
Jetzt alles im Remix
Apropos Highlights, nach jeweils vier Minispielen, gibt es einen jeweiligen Remix der letzten vier Spiele, sprich Niesmond, Katzen hüpfen, Krebse füttern und Gemüse zubereiten wird in einem großen Song vereint. Während des Spielens habe ich mich immer besonders auf diese wirren Verwurstungen gefreut, da dann ein gesamter Song gespielt wird, der die einzelnen Melodien aufgreift und vereint. Für mich war das in ganz vielen Fällen sehr gelungen und hat richtig Spaß gemacht, nochmal alle vier Spielchen vereint zu meistern. Übrigens ist Rhythm Paradise Groove hier ziemlich hart und abermals sperrig, denn nur wenn ihr das gerade letzte Minispiel meistert, dann schaltet ihr auch das nächste frei. Sprich, wenn euch z.B. der Mond die Motivation weg niest, dann habt ihr Pech gehabt, denn ihr müsst ihn zwangsweise schaffen. Wer dem großen Diktat des virtuellen Metronoms entsagt, bleibt hier einfach auf der Strecke. Levels sind ähnlich wie bei Guitar Hero geschafft, wenn eine gewissen Anzahl an fehlerhaften Tönen nicht überschritten wird (in etwa 70% eurer Eingaben, sollte korrekt sein). Das Minispiel wird zwar nie abgebrochen, aber am Ende wird euch im Score gesagt, dass ihr nicht gut genug wart. Natürlich gibt es die klassischen Bewertungen und wart ihr besonders gut, gibt es sogar eine Medaille.
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Wieder von vorne
Mit besagten Medaillen schaltet ihr Bonusspiele frei, wie das neue Beatspell. Je mehr Medaillen ihr habt, desto mehr Levels schaltet ihr für Beatspell frei. Als Konzept hat das sehr gut geklungen, denn es ist wie ein kleines Rhythmus-Dungeon-RPG, in dem ihr mit dem Stick und A- und B-Tasten Angriffs- und Heilzauber durchführt. Zu Beginn fand ich das noch cool und erfrischend, aber schon bald stellte sich bei mir Langeweile ein. Man weiß nicht genau, wie lange die Kämpfe dauern und wenn man auf sicher spielt (sich viel heilt), dann dauern die Kämpfe sehr lange und der musikalische Loop beginnt einfach wieder vor vorne – nochmal… und nochmals…
Einfach sonderbar
Eigentlich ist es nur eine Kleinigkeit, aber die Sprecherin des Spiels zeigt einfach die Merkwürdigkeit dieses Titels auf. Es gibt den Charakter Li’l Miss Reeds im Spiel, der euch einfach nur die eingeblendeten Texte vorliest. Gelesen wird mit einer monotonen KI-gestützten Sprachausgabe, was super merkwürdig ist. Objektiv gesehen ist dieses monotone Vorgelese nicht gut. Irgendwie hat es aber einen komödiantischen Kontrast, wenn mitten in einem Song oder über fetzige Melodien, dieser lahme Sing-Sang Charakter kurz drüber spricht. Rhythm Paradise Groove trifft durchwegs seltsame Entscheidungen und meist verwandeln sie das noch irgendwie in zumindest ein bisschen Charme. Ich muss aber auch gestehen, dass ich das anfangs noch witzig fand, aber irgendwann den Screenreader einfach abgeschaltet habe.
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Gemeinsam im Takt wippend auf der Couch
Was ich hingegen nicht abgeschaltet habe, ist der Koop-Modus. Mit über dreißig speziell für das gemeinsame Erleben konzipierten Rhythmus-Minispielen beweist Rhythm Paradise Groove, dass geteilte Freude im Takt vor allem geteiltes Versagen bedeutet. Das Spiel bietet hierbei eine feine Balance aus kollaborativen Herausforderungen, bei denen das Überleben vom absolut synchronen Zusammenspiel abhängt, und kompetitiven Duellen, die die Freundschaft auf eine harte Probe stellen. Ihr könnt den Modus mit bis zu vier Spieler:innen bestreiten. Ein Paradebeispiel für diesen psychologischen Ausnahmezustand ist das Minispiel Cake Wait. Hier müssen die Spieler:innen stumm in ihren eigenen Köpfen die Sekunden bis genau drei Uhr nachmittags zählen, um im exakt selben, perfekten Moment nach einem Kuchenstück zu greifen. Das grandiose Gefühl, wenn das unsichtbare, gemeinsame Metronom im Kopf aller Beteiligten auf die Millisekunde genau übereinstimmt, steht im ständigen Kontrast zum lautstarken Gelächter, wenn jemand zu früh oder zu spät zuschnappt. Dass dieser Modus kein bloßes Gimmick ist, zeigt auch das Fortschrittssystem. Der Koop-Modus besitzt einen eigenen parallelen Entwicklungspfad, was nochmal extra Anreiz gibt, sich gemeinsam im Takt wippend auf die Couch zu setzen.
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Rhythm Paradise Groove Fazit
Rhythm Paradise Groove ist nischig, anders, merkwürdig. Es ist durch seinen Schwierigkeitsgrad auch sperrig, aber auf der anderen Seite auch so kreativ und es hat mich sehr oft zum Lachen gebracht. Ich bin sehr dankbar, dass es diese Nische gibt, aber ich verstehe auch alle Menschen, die hier nur mit dem Kopf schütteln können. Es ist bei Weitem kein perfektes Spiel, aber wenn ihr bis hierher gelesen habt, dann solltet ihr der kostenlosen Demo eine Chance geben. Dann werdet ihr schnell merken, ob Rhythm Paradise Groove euch so gut gefällt wie mir oder ob ihr lieber die Finger davon lassen solltet.