Dead or Alive 6 Last Round im Test: Perfekt für Einsteiger, überflüssig für Fans?
Normalerweise kann ich mich stundenlang in Rollenspielen verlieren, spannende Welten erkunden oder mich in Soulslikes an einem kniffligen Boss festbeißen, bis ich seine Angriffsmuster auswendig kenne. Meine Erfahrungen mit Fighting Games beschränken sich vor allem auf Spiele wie die frühen Soulscalibur- oder Tekken-Teile. Entsprechend lange ist es her, dass ich mich intensiver mit dem Genre beschäftigt habe.
Umso gespannter bin ich darauf, Dead or Alive 6 Last Round auszuprobieren und nach Jahren wieder in ein Fighting Game einzusteigen. Kann mich Dead or Alive 6 Last Round genauso fesseln wie Spiele aus anderen Genres oder ist es eher ein schneller Happen für zwischendurch, wenn man eine kurze Auszeit vom Alltag mit ein paar spektakulären Kämpfen sucht?
Das Triangle-System: Eingängige Mechaniken mit überraschender Tiefe
Da meine bisherigen Spielerfahrungen eher von Ausweichrollen und Ausdauermanagement geprägt sind, war der Einstieg in ein Prügelspiel eine erfrischende Umstellung. Das Kampfsystem basiert auf dem sogenannten Triangle-System:
- Schläge schlagen Würfe.
- Würfe schlagen Konter (Holds).
- Konter schlagen Schläge.
Besonders die Konter-Mechanik hat es mir angetan. Wer einen Angriff des Gegners richtig liest und im passenden Moment die entsprechende Eingabe setzt, kann dessen Offensive abrupt stoppen und den Kampf zu seinen Gunsten drehen. Wer nur wild auf die Tasten hämmert, kommt gegen erfahrene Spieler hingegen nicht weit. Gerade die Holds machen mir besonders viel Spaß. Einen Angriff vorherzusehen und im richtigen Moment zu kontern, kann einen Kampf innerhalb weniger Sekunden komplett drehen. Gerade als Anfänger gibt mir das ein gutes Gefühl dafür, dass ich nicht einfach nur schneller auf die Tasten drücken muss. Ich muss meinen Gegner beobachten und lernen, seine nächsten Schritte einzuschätzen.
Zusätzlich sorgt die Special-Anzeige mit ihren Break Blows und Break Holds für weitere taktischen Möglichkeiten. Auch das Trefferfeedback und der Spielfluss auf der Konsole können überzeugen: Die Kämpfe fühlen sich schnell und direkt an, Schläge haben ordentlich Wucht und die interaktiven Elemente der Arenen sorgen immer wieder für spektakuläre Momente.
Ready, Set, Practice und andere Modi
Bevor ich mich mitten ins Getümmel stürze, muss ich als Anfänger zuerst einmal ins Training. Schließlich wollen die zahlreichen Charaktere und ihre unterschiedlichen Kampfstile erst einmal kennengelernt werden. Ein großer Pluspunkt für Genre-Neulinge wie mich sind die vorbildlichen Lernwerkzeuge.
Wer wie ich primär Soulslikes spielt, bringt eine andere Spielweise mit: beobachten, Abstand halten, die Ausdauerleiste im Blick behalten und auf den richtigen Moment warten. Bei Dead or Alive 6 Last Round bringt mich diese Gewohnheit nur bedingt weiter. Hier gibt es keine Ausdauerbegrenzung. Das Spieltempo ist extrem hoch, der Spielfluss unbarmherzig direkt.
Für Einsteiger gibt es dabei erfreulich viel Unterstützung:
- Umfangreiches Tutorial: Von den Grundlagen der Steuerung bis hin zu fortgeschrittenen Bewegungsabläufen wird vieles verständlich erklärt.
- DOA Quest: In diesem Herausforderungsmodus gilt es, bestimmte Aufgaben in Kämpfen zu erfüllen. Das Praktische daran: Fehlt einem das Wissen für eine bestimmte Technik, gelangt man per Knopfdruck direkt zur passenden Lektion im Tutorial und kann nahtlos weiterüben.
- Wer lieber alleine spielt, findet neben dem klassischen Arcade- und Survival-Modus auch einen gewohnt absurden Story-Modus rund um Ninjas, Konzerne und Weltverschwörungen. Die Geschichte ist herrlich überdreht und nimmt sich dabei zum Glück nicht allzu ernst.
Präsentation, Kostüme und die „Dead or Alive“-Identität
Auf der PS5 sieht das Spiel zwar nicht mehr ganz zeitgemäß aus, läuft aber sauber und macht insgesamt noch einen guten Eindruck. Elemente wie dynamische Schweißeffekte, Flecken und sichtbare Schrammen nach harten Ballwechseln verleihen den Kämpfen etwas mehr Intensität.
Natürlich gehören auch die auffälligen Outfits und die stark sexualisierte Inszenierung weiterhin zur Identität der Reihe. Von übertriebenen Outfits über Badebekleidung bis hin zur überarbeiteten Fotofunktion, mit der sich Charaktere detailliert in Szene setzen und positionieren lassen, bleibt sich Dead or Alive treu. Man muss diesen Stil nicht zwingend mögen. Im Kontext der Serie wirkt die bewusst übertriebene Inszenierung aber zumindest konsequent.
Der Haken: Warum diese Neuauflage enttäuscht
Beim eigentlichen Kämpfen macht Dead or Alive 6 Last Round vieles richtig. Das Problem liegt für mich deshalb weniger im Gameplay als im Gesamtpaket. Gerade beim Preis fällt es mir schwer, die Neuauflage zu empfehlen.
- Wenig Neues: Es gibt bisher keine neuen Charaktere und keine frischen Stages. Von den sieben bisherigen DLC-Kämpfern liegen lediglich fünf bei (unter anderem Momiji und Rachel).
- Doppelt zur Kasse: Die Gastkämpfer Mai Shiranui und Kula Diamond aus The King of Fighters müssen erneut gekauft werden – selbst wenn man sie bereits fürs Original erworben hat.
- Veraltete Online-Infrastruktur: Das Fehlen von Rollback-Netcode und Crossplay im Jahr 2026 ist eine verpasste Chance. Zwar liefen direkte Kabelverbindungen im Praxistest stabil, zeitgemäß wirkt dieser Verzicht bei einem Relaunch aber nicht mehr.
- Fehlende Fan-Features: Beliebte Modi wie Tag-Battles fehlen weiterhin komplett.
Fazit - Ein gutes Comeback, aber kein Pflichtkauf
Als Fighting-Game-Einsteiger hatte ich mit Dead or Alive 6 Last Round überraschend viel Spaß. Gerade das Kampfsystem hat mich positiv überrascht und mir den Einstieg deutlich leichter gemacht, als ich zunächst erwartet habe.
Mein Problem mit Last Round ist deshalb nicht das Kämpfen selbst, sondern das Gesamtpaket. Wer Dead or Alive 6 bisher verpasst hat, bekommt hier einen guten Einstieg in die Reihe. Für Besitzer des Originals gibt es dagegen schlicht wenig Neues, um einen erneuten Kauf zu rechtfertigen.
Für Einsteiger also durchaus interessant, für langjährige Fans dagegen eher schwer zu empfehlen.