Laifen P3 Pro Test: Ein Elektro-Rasierer, als käme er von Apple

von Mandi 01.09.2026

Mit dem Laifen P3 Pro hat ein neuartiger Elektro-Rasierer seinen Weg in unser Testlabor gefunden. Was zeichnet ihn aus? Lest unseren Test!

Zum Laifen P3 Pro

Rasiergeräte sehen sich normalerweise erstaunlich ähnlich: ein länglicher Griff, ein mehrteiliger Scherkopf und irgendwo dazwischen eine gummierte Fläche für besseren Halt. Der Laifen P3 Pro (zur offiziellen Website des Produkts) macht vieles anders. Er wirkt eher wie ein hochwertiges Technik-Gadget als wie ein klassischer Rasierer und stellt damit eine althergebrachte Konvention gelassen auf den Kopf. Doch funktioniert das Gerät auch so, wie es soll? Das lässt sich rasch beantworten: Er rasiert schnell, angenehm und gründlich, richtet sich mit seinem kompakten Format aber vor allem an alle, die sich regelmäßig rasieren. Wer häufig mehrere Tage Bart stehen lässt oder einen integrierten Konturentrimmer erwartet, muss dagegen Kompromisse akzeptieren. 

Beim ersten Eindruck überrascht der P3 Pro vor allem durch seine Form. Statt eines klassischen, ergonomisch gebogenen Griffs setzt Laifen auf einen kompakten Quader aus Aluminium. Das Gehäuse wird laut Hersteller aus einer Aluminiumlegierung per 5-Achs-CNC-Verfahren gefertigt und besitzt eine nahtlose Unibody-Konstruktion. Dadurch fühlt sich das Gerät ausgesprochen solide an, fast schon überdimensioniert hochwertig für einen Gegenstand, der normalerweise nach einigen Minuten wieder im Badezimmerschrank verschwindet. Optisch passt der Rasierer damit eher neben ein MacBook oder eine hochwertige Powerbank als neben herkömmliche Pflegeprodukte. Die matte Metalloberfläche wirkt elegant, die Verarbeitung präzise und der sichtbare Motorbereich verleiht dem P3 Pro eine futuristische Note.

Über die Trockenrasur

Ich persönlich habe mich bislang fast ausschließlich nass rasiert, einfach, weil ich mich damit wohler fühlte. Das Testen des Laifen P3 Pro hat hier meine über 20 Jahre lang errungenen Rasiergewohnheiten über den Haufen geworfen, denn das Gerät ist rein trocken zu bedienen. Die Umstellung ist natürlich so eine Sache: Bei der Trockenrasur liegt die Klinge nicht wie beim Nassrasierer auf der Haut voller Schaum, sondern der Apparat arbeitet direkt auf bzw. sehr nah an der Haut. Deshalb fühlt sich die Rasur oft erst einmal ungewohnt an und kann anfangs weniger gründlich wirken als eine gute Nassrasur.

Gerade, wenn ihr von Nass- auf Trockenrasur wechselt, kann die Haut anfangs mit Trockenheit, Spannungsgefühl oder Rasurbrand reagieren. Besonders empfindliche Haut, Akne oder ohnehin trockene Haut reagiert häufiger gereizt auf zu viel Reibung. Solltet ihr also viele rote Stellen, Brennen oder Pickelchen bekommen, sind diese Punkte meistens entscheidend: weniger Druck, langsamere Bewegungen, saubere Haut, regelmäßige Reinigung des Scherkopfs und nicht zu oft über dieselbe Stelle gehen. Nach der Trockenrasur ist eine feuchtigkeitsspendende Pflege sinnvoll, idealerweise ohne Alkohol.

So läuft das Produkt

Dementsprechend vorbereitet muss man auch sagen: Der Laifen P3 Pro ist ein Trockenrasierer. Selbst baulich ist das zu bemerken, denn mit rund 180 Gramm ist der P3 Pro für seine geringe Größe nicht gerade ein Leichtgewicht, und die glatten Oberflächen bieten bei feuchten Händen weniger Sicherheit als ein klassischer Rasierer mit Gummierung. Also seid gewarnt, ihr solltet bei der Handhabung auch keine feuchten Hände haben. Das ist kein gravierender Konstruktionsfehler, aber ein Punkt, den man im Alltag nicht ignorieren sollte. Trocken liegt der Rasierer angenehm kompakt in der Hand und lässt sich präzise führen. Unter der Dusche oder mit nassen Fingern braucht es dagegen etwas mehr Aufmerksamkeit. Ein strukturiertes Metallfinish oder eine kleine gummierte Griffzone hätte hier wahrscheinlich geholfen, aber das ist ja nicht der Sinn!

Technisch setzt Laifen auf zwei lineare Hochgeschwindigkeitsmotoren. Zusammen erreichen sie 24.000 Schnitte pro Minute, wobei jeder Motor mit 12.000 Schnitten pro Minute arbeitet. Das klingt zunächst nach Marketing-Superlativen, macht sich im Betrieb aber tatsächlich bemerkbar: Der P3 Pro arbeitet kraftvoll, gleichmäßig und ohne das typische Rattern vieler günstiger Folienrasierer. Die beiden Motoren arbeiten gegeneinander und sollen dadurch Vibrationen besser ausgleichen. In der Praxis entsteht ein eher ruhiges, gleichmäßiges Summen. Natürlich ist der Rasierer deshalb nicht lautlos, aber im Alltag durchaus recht leise, das Geräusch ist ein sehr angenehm. Besonders morgens ist das ein Vorteil: Der P3 Pro klingt stets gleichbleibend und schnurrend, was dann auch die gefühlte Lautstärke teils drastisch verringert.

Die Folie macht den Unterschied

Der dreiteilige Scherkopf besteht aus zwei Folien und einem mittleren Langhaartrimmer. Die Folien sind laut Hersteller 0,055 Millimeter dünn und sollen sich dank ihrer Form besser an die Gesichtskonturen anschmiegen. Das Konzept zielt klar auf eine gründliche, aber hautschonende Rasur ab. Wenn man die ersten zwei, drei Rasuren zur Gewöhnung verstreichen lässt und man sich an den Prozess gewöhnt hat, zeigt sich der P3 Pro vor allem bei täglicher oder zweitägiger Rasur von seiner starken Seite. Die Folien gleiten angenehm über die Haut, ohne stark zu kratzen oder zu ziehen. Auch empfindlichere Bereiche wie Hals und Kinn lassen sich kontrolliert bearbeiten. Nach der Eingewöhnung sprechen wir von einer komfortablen Rasur ohne nennenswerte Rötungen oder Rasurbrand, selbst bei einer Rasur gegen die Wuchsrichtung.

Auch auf den Wangen liefert der P3 Pro ein sauberes und gleichmäßiges Ergebnis. Kurze Stoppeln werden zuverlässig erfasst, und auch am Hals muss man nur selten mehrfach über dieselbe Stelle gehen. Insgesamt ist das Produkt äußerst präzise, doch bei einem Dreitagebart stolpert es schon mal. Ihr seht: Ganz auf dem Niveau der aggressivsten High-End-Rasierer spielt der Laifen allerdings nicht in jeder Situation. Bei kräftigem Bartwuchs rund um Kinn und Oberlippe können mehrere Durchgänge notwendig sein. Wer vier oder fünf Tage wartet, bevor der Rasierer zum Einsatz kommt, wird mitunter etwas mehr Zeit einplanen müssen. Für die tägliche Gesichtspflege ist die Leistung dagegen äußerst überzeugend, gerade weil der P3 Pro gründlich arbeitet, ohne die Haut unnötig zu strapazieren.

Was aufgefallen ist

Der zentrale Schwachpunkt des Rasierers ist nicht seine Leistung oder Rasurfolie, sondern das, was fehlt. Einen ausklappbaren Präzisionstrimmer für Koteletten, Schnurrbartkonturen oder die Bartlinie gibt es nicht. Wer den Übergang an den Schläfen oder beim Bartstyling sauber definieren möchte, benötigt deshalb ein zweites Gerät. Das ist umso auffälliger, weil Laifen den P3 Pro als modernen, kompakten Alltags- und Reisebegleiter positioniert. Ein integrierter Trimmer hätte den Funktionsumfang deutlich erweitert, so nennen wir den fehlenden Präzisionstrimmer als wesentlichen Kritikpunkt. Der zusätzliche Langhaartrimmer im Scherkopf hilft zwar bei längeren Haaren, ersetzt aber keine echte Konturenklinge.

Bei der Reinigung spielt der P3 Pro seine praktische Seite aus. Der Scherkopf lässt sich magnetisch abnehmen und anschließend unter fließendem Wasser abspülen. Dadurch ist der Reinigungsaufwand gering, und auch die Konstruktion wirkt weniger kompliziert als bei manchen Rasierern mit aufwendiger Reinigungsstation. Die IPX7-Zertifizierung erlaubt laut Hersteller die Nutzung mit Wasser und auch eine vollständige Reinigung unter dem Wasserhahn. Wer seinen Rasierer nach jeder Verwendung kurz ausspült, dürfte mit dem Gerät problemlos auskommen. Eine Reinigungsstation oder Ähnliches gibt es nicht, das ist dank dem cleveren Design auch gar nicht notwendig.

Kompakt und hält durch

Bei der Stromversorgung zeigt Laifen erfreuliche Konsequenz. Der P3 Pro wird über USB-C geladen und soll laut Hersteller bis zu 100 Minuten Laufzeit erreichen. Eine dreiminütige Schnellladung soll Energie für ungefähr sieben Minuten Betrieb liefern, das reicht für eine Rasur vollkommen aus. Im Test lagen die Werte teilweise darunter oder darüber: Mal kamen wir auf etwa 85 Minuten Laufzeit, ein andermal erreichten wir sogar etwas mehr als die Herstellerangabe. Entscheidend ist weniger die letzte Minute Laufzeit als die Alltagstauglichkeit: Für mehrere Wochen regelmäßiger Rasur reicht eine Ladung in der Regel aus. Und wenn der Akku doch einmal leer ist, genügt eine kurze Verbindung mit einem USB-C-Netzteil, Laptop oder einer Powerbank für eine schnelle Rasur.

Kompakt ist der P3 Pro zweifellos. Er passt problemlos in eine Reisetasche und besitzt einen Reisemodus, der ein versehentliches Einschalten verhindert. Der magnetische Schutzdeckel hält den Scherkopf unterwegs sauber und lässt sich unkompliziert aufsetzen. Die coole Schutztasche sieht edel aus und erfüllt ihre Funktion, das passt auch perfekt zum Marketing des Geräts als Reiseprodukt. Dementsprechend fällt auch die Ausstattung reduziert aus, aber das tut dem Gerät absolut keinen Abbruch. Angenehmer Minimalismus, auch, wenn man um die UVP von 199,99 Euro eventuell etwas mehr erwarten könnte. Grundsätzlich ist das Produkt sehr gut gelungen, sofern ihr euch häufig rasiert und Wert auf ein kleines, hochwertig verarbeitetes Gerät legt.

Schöne Schale, schöner Kern

Wie würde ein Rasier aussehen, der aus Apples Designabteilung stammt? Der Laifen P3 Pro beantwortet diese Frage, die so wohl noch kaum jemand gestellt hat (oder in Richtung Braun blickt). Uns erwartet hiermit ein ungewöhnlicher Elektrorasierer, der sein spektakuläres Design mit überzeugender Alltagstechnik verbindet. Er rasiert schnell, angenehm und für kurze Bartlängen gründlich und angenehm. Besonders gelungen sind die ruhigen Motoren, das kompakte Format, die USB-C-Ladung und die einfache Reinigung. Das Produkt ist ungewöhnlich hochwertig und macht Spaß bei der Nutzung.

Perfekt ist das Konzept dennoch nicht. Ein integrierter Präzisionstrimmer fehlt, das Gehäuse kann bei nassen Händen rutschig sein, und bei längeren Bartstoppeln zeigt das Produkt rasch seine Grenzen auf. Trotzdem bleibt ein sehr stimmiges Gesamtbild: Der P3 Pro ist kein Rasierer für jeden Barttyp, aber ein ausgesprochen eleganter und leistungsfähiger Begleiter für die tägliche oder nahezu tägliche Rasur. Wer Premium-Feeling, kompakte Abmessungen und hautschonende Folienrasur höher bewertet als maximale Vielseitigkeit, macht mit ihm eine gute Wahl. Die Wertigkeit kann jedenfalls überzeugen!

Wertung: 9.0 Pixel

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