Orbitals Test (Nintendo Switch 2): Ein 90er-Anime zum Spielen

von Mandi 17.09.2026

Mit Orbitals kommt Nachschub für die Couch-Koop-Fans mit einer Nintendo Switch 2. Lohnt sich der Titel? Lest unseren Test!

Über Orbitals

Schon die offizielle Website des Spiels verrät: Wer in den 90ern vor dem Fernseher saß und sich von einer Anime-Serie zur nächsten hangelte, wird sich bei Orbitals sofort heimisch fühlen. Das exklusive Nintendo-Switch-2-Koop-Abenteuer von Shapefarm und Kepler Interactive sieht nicht nur aus wie ein verschollener Klassiker aus der VHS-Ära, es spielt sich auch so, als hätte man selbst die Fernbedienung in der Hand. Schon die ersten Minuten wirken wie eine Zeitreise: pastellige Farben, handgezeichnet wirkende Cutscenes und leichte Filmkörnung.

Dazu gibt es Animationen, die bewusst mit 12 beziehungsweise 24 Bildern pro Sekunde laufen, um den Charme traditioneller Zeichentrickfilme nachzubilden. Zu den Ohren gelangt ein Soundtrack, der perfekt in die Science-Fiction-Epoche passt. Das ist eine Verbeugung vor Cowboy Bebop, Sailor Moon, Vision of Escaflowne und Studio Ghibli, untermalt von einer durchweg hochwertigen Synchronisation in mehreren Sprachen, darunter auch Deutsch mit bekannten Sprecherstimmen aus Anime und Games.

Worum geht’s?

Im Mittelpunkt stehen Maki, eine chaotische, risikofreudige Mechanikerin, und Omura, ihr phlegmatischer, außerirdisch wirkender Partner. In einer aufwendig animierten Eröffnungssequenz erleben wir die beiden zunächst als Kinder auf einer Raumstation, die kurz vor der Explosion steht. Ihre Bewusstseine werden in Maschinen gesichert und fünfzehn Jahre später in neue Klonkörper übertragen. Das ist neben der Erzählmechanik auch eine recht clevere Erklärung für die zahlreichen Tode, die im weiteren Verlauf noch folgen werden. Trotz des harten Starts bewahren sich die beiden einen gutmütigen Optimismus, der sie sympathisch macht.

Kleinigkeiten wie individuelle Laufanimationen oder das liebevolle Verabschieden ausgedienter Werkzeuge zeigen, wie viel Sorgfalt in die Charaktere geflossen ist. Hinter Orbitals steckt unter anderem Jakob Lundgren, früher Level-Designer bei Hazelight Studios, die für Koop-Titel wie A Way Out, It Takes Two und Split Fiction verantwortlich sind. Diese Handschrift ist deutlich erkennbar: Gameplay und Story basieren auf Kooperation und dem Lösen von Umgebungsrätseln zu zweit. Praktisch ist, dass nur die Person, die das Spiel hostet, es kaufen muss, denn über die Gameshare-Funktion oder den Freunde-Pass kann eine zweite Person kostenlos mitspielen, lokal am selben Bildschirm oder online.

Miteinander statt gegeneinander

Anders als in den Spielen von Hazelight, wo jede Figur fest zugeteilte Fähigkeiten hat, tauschen die Figuren in Orbitals zwischen den Missionen Rucksäcke und Gadgets aus. Zur Verfügung stehen durchdachte Werkzeuge wie Enterhaken, Laser, Wasserkanone oder sogar eine gehackte Mikrowelle, mit der man seinen Geist in Schleime übertragen und diese steuern kann. Wer das Raumschiff steuert oder wer den Geschützturm bemannt, ist euch überlassen, da könnt ihr euch stets abwechseln.

Die Rätsel setzen auf analytisches Denken, präzises Timing und Fingerspitzengefühl, und Lösungen liegen selten offen auf der Hand. Besonders clever wird es, wenn Maki und Omura voneinander getrennt werden: Zwar sieht man dank Splitscreen weiterhin, was der andere macht, eingreifen kann man jedoch nicht. Genau dann beginnt das Chaos und damit entsteht der größte Spaß, wenn man gemeinsam rätselt, diskutiert und am Ende zusammen die Lösung findet.

Das Spiel, gegen euch?

Auch, wenn das Couch-Koop-Erlebnis nach wie vor ein seltener Vogel in unseren Gefilden ist und die Nintendo Switch 2 die ideale Plattform dafür ist, so gibt es auch Schattenseiten und Orbitals bleibt nicht frei von Kritikpunkten. Schon in den ersten Spielstunden fällt eine hakelige Steuerung auf, die teilweise auf eine niedrige Framerate zurückzuführen ist. Eingaben wirken dadurch ungenau, man landet öfter daneben, als einem selbst das lieb ist. Auch die Geschichte kommt lange nicht in Fahrt: Die ersten zwei Drittel plätschern nur so dahin und sind bestenfalls ein Vorspiel.

Ihr erledigt unzählige Botengänge und fragt euch, ob das Spiel überhaupt eine Story hat. Ja, Orbitals hat eine Geschichte, aber sie wird erst im allerletzten Akt wirklich spannend. Dann kommen verschenkte Gameplay-Möglichkeiten dazu: Vielversprechende Ideen wie eine Reitsequenz auf einem flusspferdartigen Alien oder die Mikrowelle als Werkzeug werden nur angerissen, statt ausgereizt zu werden. Auch die Raumschiffabschnitte, bei denen eine Figur steuert und die andere schießt, wirken schwächer als die Level am Boden. Das Schießen fühlt sich einfach nicht gut an.

Die Technik von Orbitals

Grafisch kann man Orbitals auf Standbildern nicht viel vorwerfen. Der Kunststil ist exakt getroffen, mir kommt es teilweise ganz leicht unscharf vor, aber in Wahrheit tut das dem Spielspaß keinen Abbruch. Eher fragwürdig sind die Animationen, die bewusst in 12 und 24 Frames pro Sekunde gehalten wurden, die euch genau dann, wenn es knifflig und knapp wird, Schwierigkeiten bereiten können. Anders als in den großen Hazelight-Koop-Titeln sucht ihr euch hier immer wieder kleinteilig den Weg zum nächsten Rätsel, das man dann auch oft nur durch Herumprobieren und systematisches Absuchen lösen kann. Vielleicht wäre da mehr Übersicht ratsam gewesen?

Von der Soundseite her kann man sich nicht beklagen. Sowohl die Hintergrunduntermalung als auch die Synchronstimmen passen sehr gut zum gewählten Genre, und bloß in der Welt von Orbitals zu sein, macht Laune. Wenn ihr also nur eine minimale Schwäche für diese Art von Cartoons respektive Anime von damals habt, solltet ihr euch das Game durchaus näher ansehen. Bleibt es allerdings nicht beim Ansehen, müsst ihr euch mit der Steuerung beschäftigen, und die ist leider der Schwachpunkt dieses Spiels. Dadurch, dass der Titel so viele verschiedene Mechaniken einführt, sind nicht alle ganz sauber umgesetzt, allem voran das extrem leichtfüßige Springen.

So nah und doch so fern

Orbitals ist eine wunderschöne Ode an die Anime der 80er und 90er, untermalt von einem Soundtrack, der die Stimmung perfekt trifft. Der ständige Austausch der Ausrüstung hält das Gameplay frisch, und die Rätsel verlangen mehr Kopfarbeit, als der niedliche Look vermuten lässt. Sowohl der handgezeichnete Look wie auch die liebevollen Charakterdetails können überzeugen, und es muss nur eine Person das Spiel kaufen, GameShare sei Dank. Doch wer ein Hazelight-Koop-Abenteuer sucht, bleibt ein wenig enttäuscht zurück.

Denn das Spiel bleibt unter seinen Möglichkeiten: Die Story zündet erst spät, gute Gameplay-Ideen werden bei weitem nicht voll ausgeschöpft, und die Steuerung bleibt bis zum Schluss etwas hakelig, selbst für Geübte. Wer zu zweit ein optisch außergewöhnliches, forderndes Koop-Erlebnis sucht und über ein paar Dinge hinwegsieht, wird glücklich. Wünscht ihr euch allerdings ein Meisterwerk wie It Takes Two oder Split Fiction, solltet ihr hier leider aussetzen. Dennoch macht das Game vieles anders und versucht mal etwas Neues! 

Wertung: 8.0 Pixel

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