Xenoblade Chronicles 2 – Nintendo Switch 2 Edition im Test: Buntes und schräges JRPG

von Mandi 14.08.2026

Fast neun Jahre nach der Veröffentlichung kehrt eines der ambitioniertesten Rollenspiele der Nintendo Switch für Switch 2 zurück: Xenoblade Chronicles 2! Hier geht’s zur Website.

Über Xenoblade Chronicles 2

Der zweite Teil der legendären Xenoblade Chronicles-Serie ist im Grunde nahezu unverändert geblieben. Alrest, die Spielwelt, ist voller Wolken, und nur wenig ragt darüber hervor. Dementsprechend wird der bewohnbare Lebensraum für alle immer kleiner und kleiner, und man muss schon sehr kreativ sein, um sich hier am Leben zu erhalten. Rex, der Hauptheld, wird für seine Verhältnisse plötzlich ins Geschehen geworfen: Als Taucher im Wolkenmeer, der immer wieder mal wertvolle Gegenstände raushievt, wird er bei einer Mission angeheuert. Schnell stimmt er zu, da die Bezahlung gigantisch zu sein scheint.

Doch wie heißt es so schön? Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wohl auch. Im Laufe der Mission wird immer klarer, dass er keine Fragen zu stellen hat und nur seine Befehle ausführen soll. Mittendrin erkennt er aber, dass er wohl aus einem weiteren Grund mitgenommen wurde, und lässt sich zunächst nichts anmerken. Die Ereignisse überstürzen sich, Rex passiert etwas Schlimmes, und nur wenig später ist eine neue Gruppe aus Charakteren geformt, die auf Rache sinnt. Wendungen wie diese sind keine Seltenheit in Xenoblade Chronicles 2, und es gibt wirklich viele Zwischensequenzen. Dazu später mehr!

Ein vertrauter Aufbruch mit neuem Glanz

Schon beim Start der Switch 2 Edition wird klar: Monolith Soft hat hier nicht nur einen einfachen Performance-Patch geschnürt. Die Menüs reagieren spürbar flüssiger, Ladezeiten sind reduziert, und die erste Spielminute vermittelt ein Gefühl von Stabilität, das der Originalversion auf der Switch 1 oft fehlte. Die Spielwelt von Alrest, getragen von riesigen Titanen als lebendige Ökosysteme, wirkt in der höheren Auflösung deutlich detaillierter: Grashalme, Texturen an Felsen und ferne Landschaften lösen sauberer auf, ohne das typische Flimmern der ersten Version.

Besonders im TV-Modus zeigt sich der größte Fortschritt. Die Originalversion kämpfte auf der Switch 1 mit dynamischer Auflösungsanpassung, die in intensiven Kämpfen oder bei schnellen Kamerabewegungen zu sichtbaren Einbrüchen führte. Die Switch 2 Edition nutzt offenbar eine Kombination aus temporaler Hochskalierung und einer intelligenten räumlichen Rekonstruktion, vermutlich eine angepasste DLSS-Variante, um aus einer internen Auflösung von etwa 1080p ein scharfes 4K-Signal zu erzeugen. Das Ergebnis ist kein natives 4K, aber für die meisten Spielsituationen mehr als ausreichend. Kanten bleiben stabil, Bewegungsunschärfen sind reduziert, und die Bildpräsenz wirkt insgesamt moderner.

 

JRPG mit Ecken und Kanten

Modern ist Xenoblade Chronicles 2 auf jeden Fall, was das Setting angeht und die Menüführung. So wie bei Teil 1 ist es eine Art Echtzeit-Kampfsystem, das aber damit einhergeht, dass ihr Abklingzeiten beziehungsweise Fähigkeiten untereinander managen werdet. Euer bester Freund ist die Auto-Attacke, die stets ausgeführt wird, wenn ihr in Reichweite bleibt, gleichzeitig habt ihr eine Klinge wie Pyra um euch, die euch weiter verstärkt. Mit diesen automatischen Angriffen füllt ihr eure auswählbaren und verstärkbaren Spezialangriffe auf, die ihr auf Knopfdruck auslöst.

Diese Spezialattacken wiederum füllen eine weitere stärkere Attacke aus, die ihr in drei Stufen auslösen könnt. Und habt ihr diese Spezialangriffe voll und bereit, könnt ihr sie auch je nach Gruppenmitgliedern miteinander koppeln und in Combo-Angriffe ummünzen. So tief und lohnend dieses Kampfsystem auch ist und euch Hunderte Stunden bei der Stange halten kann, so ist die Präsentation, das Pacing und auch das Writing der Charaktere zeitweise äußerst random und sorgt für Kopfschütteln. Einseitige Charaktere, megalange Zwischensequenzen, aber auch teilweise viel Drama wechseln sich im Minutentakt ab.

Das Game im Handheld-Modus

Wer Xenoblade Chronicles 2 je auf der originalen Switch im Handheld-Modus gespielt hat, weiß: Die Auflösung fiel teilweise auf unter 400p, begleitet von aggressiven Schärfefiltern, die das Bild künstlich hart wirken ließen. Die Switch 2 Edition hebt das Spielerlebnis hier auf ein neues Level. Mit einer internen Auflösung von knapp unter 1080p und intelligenter Hochskalierung erscheint das Bild auf dem integrierten Display scharf, stabil und deutlich natürlicher.

Dazu kommt die flüssige 60 fps-Darstellung, die nicht nur die Kameraführung geschmeidiger macht, sondern auch Kämpfe mit mehreren Effekten und Mitgliedern deutlich übersichtlicher gestaltet. In unseren Tests blieb die Framerate im Handheld-Modus überraschend stabil, mit nur minimalen, kaum wahrnehmbaren Einbrüchen in besonders fordernden Szenen. Für alle, die das Spiel primär mobil erleben möchten, ist die Switch 2 Edition die beste und damit ein echtes Upgrade.

Wirr erzählt, aber mit rotem Faden

Dass man am Anfang eines gut 100 Stunden dauernden JRPGs (je nachdem, was ihr sonst noch so darin anstellt) nicht alle Infos habt, ist sonnenklar. Allerdings kommen hier mehrere Faktoren zusammen: Ganz großes Kino wird durch eine billige Wendung weggewischt, ein Mega-Kampf wird dadurch belohnt, dass euch ein winziger Auftraggeber mit Kinderworten anplärrt, und wenn ihr euch mal in die Action geworfen habt, sind Zwischensequenzen mit mehreren Minuten Laufzeit an der Tagesordnung. Xenoblade Chronicles 2 weiß oft nicht, ob es ein Action-RPG sein will oder ein Visual Drama, und macht einfach beides seriell.

Manche Charaktere wie Pyra machen da viel her, geben nicht zu viel von sich preis und lassen immer wieder Raum für Spekulationen. Hauptheld Rex hingegen ist im Internet ganz weit oben, wenn es um den nichtssagendsten Charakter in einem Rollenspiel geht. Dem muss ich leider zustimmen: Als Hauptheld hat Rex ähnlich viel Strahlkraft wie Vaan aus Final Fantasy 12, er schafft den Sprung vom einfachen Arbeiter zur Anführer der Gruppe nicht, schon gar nicht zum Hauptheld. Das Feld der Charaktere ist grundsätzlich ansehnlich und tauscht sich auch rege aus, doch Rex bleibt euch von Anfang bis zum Schluss erhalten.

Endlich 60 fps

Die Performance-Verbesserung ist die Existenzberechtigung dieser Edition. Wo die Switch 1-Version häufig unter 30 fps einbrach, besonders in Kämpfen oder bei großen Kamerapanoramen, hält die Switch 2 Edition konstant 60 fps, nur mit gelegentlichen, kurzen Einbrüchen in stark effektlastigen Zwischensequenzen. Die durchschnittliche Framerate liegt bei 59,8 fps im Vergleich zu 29,9 fps auf der Switch 1, eine Verdopplung, die sich im Spielgefühl deutlich bemerkbar macht.

Allerdings: Die Implementierung von V-Sync führt in seltenen Fällen dazu, dass das Spiel bei kompletter Überlastung mit vielen Combos und Effekten kurzzeitig auf 30 fps zurückfällt, bevor es wieder auf 60 hochschaltet. Diese Übergänge sind kurz, aber spürbar – besonders für Spieler, die sich an eine durchgängig hohe Framerate gewöhnt haben. Trotzdem bleibt die Switch 2 Edition wesentlich stabiler als die Originalversion, die teils in die 20er-Rate abrutschte. Dementsprechend passt die Technik!

Neue Inhalte 

Neben den offensichtlichen technischen Verbesserungen bringt die Switch 2 Edition auch inhaltliche Ergänzungen mit, die vor allem für Veteranen interessant sein dürften. Der neue „Söldnerkommando“-Modus (Merc Assault) erlaubt es erstmals, direkt Klingen zu steuern und in actiongeladenen Missionen einzusetzen, ein willkommener Kontrast zum passiven Klingen-Management der Originalversion.

Zudem wurde mit MOMO eine weitere seltene Klinge aus dem Xenosaga-Universum hinzugefügt. Mit ihrem dualen Element-System (Licht und Dunkel) bietet sie strategische Flexibilität, die keine andere Klinge im Spiel besitzt. Für Fans der Monolith Soft-Historie ist das ein kleines, aber feines Nostalgie-Highlight. Dazu kommen neue Outfits für Pyra und Mythra sowie verbesserte HD-Rumble-Effekte in ausgewählten Zwischensequenzen.

Für Hunderte Stunden gut

Die Switch 2 Edition von Xenoblade Chronicles 2 ist das, was sich Fans seit Jahren gewünscht haben: eine technisch stabile, optisch verbesserte Version eines Spiels, das inhaltlich nach wie vor zu den Höhepunkten des Genres zählt. Die Performance-Verbesserungen sind spürbar, die neuen Inhalte geben Veteranen einen zusätzlichen Anreiz, und das Handheld-Erlebnis ist endlich auf einem Niveau, das man von einem modernen Spiel erwarten darf.

Klar ist aber auch: Dies ist kein Remake, sondern eine sorgfältige Überarbeitung. Die technischen Hürden werden allesamt genommen, doch das Pacing, die Reizüberflutung und die teils quengeligen Charaktere bleiben so, wie sie schon immer waren. Das ist auch die größte Schwäche dieses Games, und das heißt: Wer das volle Potenzial von Alrest erleben möchte, hat mit der Switch 2 Edition die einzig richtige Wahl, denn sie ist die definitive Version des Spiels!

Wertung: 8.5 Pixel

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